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Die orthopädische Universitätsklinik Stiftung Friedrichsheim und ihre Bedeutung für die Geschichte der Sportmedizin in Hessen

Einleitung

Bedeutende Institutionen beeinflussen häufig über längere Epochen nachhaltig die Entwicklung innerhalb ihres jeweiligen Fachgebiets. Für die internistisch-leistungsphysiologische Sportmedizin sind das vor allem die beiden Zentren in Köln und Freiburg, von denen fast alle bedeutsamen sportmedizinischen Strömungen und Lehrstuhlbesetzungen innerhalb der alten Bundesländer anhaltend bis zum heutigen Tag ausgehen.

Im Unterschied zu dem üblicherweise resultierenden Nord-Süd-Gefälle gingen in Hessen nicht nur aufgrund seiner mittleren geographischen Lage die entscheidenden Impulse in der Entwicklung der Sportmedizin vom orthopädischen Fachgebiet aus, vertreten durch die Frankfurter Orthopädische Universitätsklinik.
Der vorliegende Beitrag fokussiert daher ausdrücklich auf die Bedeutung der Stiftung Friedrichsheim für die Hessische Sportmedizin.
Die Bedeutung des Lehrstuhls für Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen wird ausführlich vom zweiten Vorsitzenden des Hessischen Sportärzteverbandes, Herrn Prof. Dr. Nowacki, dem Organisator des 37. Deutschen Kongresses für Sportmedizin und Prävention vom 26.-30.9.2001 im nordhessischen Rotenburg an der Fulda, in separaten Beiträgen zur Geschichte der Sportmedizin (NOWACKI et al. 2001) aufgeführt, so dass beide Darstellungen zusammen eine näherungsweise komplette Übersicht über die hessische Sportmedizin ermöglichen.

Unberührt bleibt dennoch weitestgehend die Entwicklung der hessischen Sportmedizin im Norden (Kassel), Osten (Fulda) sowie im Süden (Darmstadt) und in Marburg.
In Osthessen sind besonders die Verdienste des Hünfelders Dr. Hans Medler herauszustellen, der hier über mehrere Jahrzehnte als Kreis- und Bezirkssportarzt wirkte.

Die Gründung des Sportärzteverbandes Hessen e.V. erfolgte 1952.
Zum 1. Vorsitzenden wurde der Frankfurter Facharzt für Innere Medizin Dr. Wilhelm Weber gewählt.
Ihm folgte der Marburger Prof. Dr. Hermann Schnell, der schon von 1927 bis 1933 dem Deutschen Ärztebund zur Förderung der Leibesübungen vorgestanden hatte.
Prof. Dr. Hans Grebe bekleidete das Amt des 1. Vorsitzenden von 1954-1957 sowie von 1961-1974. In der Zwischenzeit war er sogar Präsident des Deutschen Sportärztebundes. Von ihm wurden die Winterlehrgänge des hessischen Sportärzteverbandes initiiert. 1952 führte er den Sportärztekongress in Frankfurt am Main durch.
Ihm folgte im Amt der habilitierte Facharzt für Anästhesie, Prof. Dr. Dieter Böhmer, unter dem die hessische Sportmedizin die stärksten Entwicklungspulse erfuhr.


Prof. Dr. Dieter Böhmer – Integrationsfigur der hessischen Sportmedizin

Prof. Dr. Hannes Schoberth, der Mannschaftsarzt der Deutschen Fußballnationalmannschaft, hatte nach seiner beruflichen Veränderung an die Orthopädische Universitätsklinik Stiftung Friedrichsheim in Frankfurt am Main seinen Kollegen Dr. Böhmer von der Universitätsklinik Erlangen als Anästhesisten mitgenommen. Die Anästhesie hatte sich zur damaligen Zeit noch nicht so lange als eigenständige Facharztdisziplin entwickelt, so dass die Fachärzte über eine breite fachliche Ausbildung verfügen mussten. Dies galt ebenso für das Fach Sportmedizin, welches bis zum heutigen Tag um Anerkennung unter den etablierten Fachgesellschaften kämpfen muss.
Im Hinblick auf eine sportmedizinische Facharztanerkennung bestehen derzeit leider jedoch keine Hoffnungen.

Der prominente Fußballer-Arzt Prof. Dr. Schoberth etablierte innerhalb der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim zusammen mit dem internistischen Ordinarius Prof. Dr. Kaltenbach eine spezielle Sportlersprechstunde, aus der dann in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Böhmer, denen die internistischen Belange der Sporteignungsuntersuchung oblagen, eine sportmedizinische Beratungsstelle wurde. Durch die spezielle Förderung seitens Dr.med. Dr.jur. Karl Traenckner vom Hessischen Sozialministerium sollte in Hessen ein Netz von 46 sportmedizinischen Untersuchungsstellen etabliert werden, die als regionale präventivmedizinische Kompetenzzentren vor allem den jungen Sportlerinnen und Sportlern zur Verfügung stehen sollten. So erfuhr die Entwicklung der Sportmedizin in Frankfurt die nötige Unterstützung. Die Förderung erfolgte zum einen von Seiten der Landesregierung, zum anderen von den kommunalen Trägern der Gesundheitsämter.

In das flächendeckende System wurden auch die universitären sportmedizinischen Einrichtungen in Gießen (Prof. Dr. Nowacki), Marburg (Prof. Dr. Klimt) und Kassel (Prof. Dr. Lübs) integriert.

Die Sportärztliche Hauptberatungsstelle des Landes Hessen indessen wurde direkt an der Frankfurter Orthopädischen Universitätsklinik eingerichtet, wo zum fachärztlichen Beratungsangebot noch die Kardiologie (Prof. Dr. Martin Kaltenbach) hinzukam. Hier wurde auch ein standardisierter Untersuchungsbogen erarbeitet, nach dem die regionalen Anlaufstellen für die Sportler vorgehen sollten. Der später in Berlin vorgelegte Bericht umfasste die Auswertung von über 15 000 Untersuchungen. Gleichzeitig wurde mit Prof. Dr. Nowacki zusammen ein entsprechender Untersuchungsbogen für den Bundesausschuß Leistungssport erstellt.

Mit Prof. Dr. Nowacki organisierte Prof. Dr. Böhmer 1978 auch den 26. Deutschen Sportärztekongress in Bad Nauheim. Zu diesem Anlass wurde erstmals ein umfangreicher Kongressband in Buchform publiziert.
Nach dem Wechsel Prof. Dr. Schoberths nach Damp, wo er die Ostseeklinik leitete, wurde Prof. Dr. Wolfgang Heipertz Leiter der Frankfurter Orthopädischen Universitätsklinik. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Böhmer entstand auch ein sportmedizinisches Lehrbuch.
Auf Initiative Prof. Dr. Böhmers konnte auf der Basis der Förderung durch das Hessische Sozialministerium in Form staatlicher Zuschüsse und finanzieller Unterstützung durch die Dresdner Bank das Sportmedizinische Institut e.V. an der Otto-Fleck-Schneise in räumlicher Nähe zu den großen Sportverbänden und zum Waldstadion gegründet werden.

Das sportmedizinische Institut unter Prof. Dr. Böhmer integrierte beispielhaft die gesamte Fächerpalette der Sportmedizin in einer Institution. Mit dem Biochemiker Dr. G. Haralambie und dem Leistungsphysiologen Dr. A. Szögy konnten Experten aus dem Ostblock gewonnen werden, deren „Knowhow“ effektiv für die hessischen Leistungs- und Hochleistungssportler wie den Schwimmer Michael Groß umgesetzt werden konnte.

Prof. Dr. Böhmer verstand es, besonders den ganzheitlichen Aspekt der Sportmedizin in seinem Institut zu realisieren. Dies unterschied diese Institution deutlich von anderen sportmedizinischen Einrichtungen, die je nach Vorbildung ihres Leiters entweder sport- und leistungsphysiologisch oder internistisch-sportkardiologisch ausgerichtet waren.

Von der Sportanthropologie über die internistische (sportkardiologische), neurologische und orthopädisch-traumatologische Sportmedizin mit der Sportphysiotherapie bis zur Kinder- und Jugendsportmedizin sowie zur Allgemeinmedizin reichte das Angebot für die hessischen Kaderathleten. Zusätzlich zu den dort präsenten Fachärzten konnte jederzeit auf ein Netz von kompetenten Konsiliarien des Universitätklinikums bei entsprechenden Fragestellungen zurückgegriffen werden. Den orthopädischen Part übernahm Prof. Dr. Zichner, damals Direktor der Orthopädischen Klinik Frankfurt/Main Höchst.

Das sportmedizinische Institut wurde bald in die internationalen Beziehungen durch das NOK (W.Tröger) eingebunden. Zahlreiche Besucher aus dem Ausland und Lehrgänge durch Prof. Dr. Böhmer und seine Mitarbeiter in Entwicklungsländern führten zu einem anregenden Austausch von Informationen sowie Hilfe bei sportmedizinischen Aufgaben, besonders in asiatischen und afrikanischen Ländern.

Fast zeitgleich erfolgte auch die Berufung von Prof. Dr. Böhmer auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Sportmedizin am sportwissenschaftlichen Institut der Johann Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt-Ginnheim. Von Vorteil war hier auch die Förderung der Sportmedizin durch die damalige Universitätsleitung unter ihrem Kanzler Dr. Busch.

Zahlreiche Doktoranden wurden damals von Prof. Dr. Böhmer betreut. Grundlegende Arbeiten der Magnesiumforschung entstanden in dieser Zeit.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete bis 1995 auch die Sauerstoffüberdrucktherapie, die von Prof. Dr. Böhmer dann bis zum heutigen Tag weiter an der Orthopädischen Universitätsklinik Stiftung Friedrichsheim fortgesetzt wurde. Im Regenerationsstoffwechsel konnte sich diese Form der Therapie zwar nicht etablieren. Sie stellt aber die wichtige Verbindung zur Tauch- und Höhenmedizin dar, die einen ganz wesentlichen Teilaspekt der Sportphysiologie verkörpert. Zur Zeit werden hier grundlegende Studien zur Flugmedizin durchgeführt.

Dr. Hartmann, der bisher zweiter Vorsitzender des Sportärzteverbandes Hessen war, wurde nach Prof.Dr.Böhmer für die nächsten Jahre 1.Vorsitzender. Von ihm stammt auch eine ausführliche Darstellung seiner hessischen Verbandstätigkeit (HARTMANN 2001, HARTMANN et al. 2001).

Prof. Dr. Ludwig Zichner– Rückkehr zur klinischen Sportmedizin

Ab Januar 2001 übernahm wiederum ein Mitglied der Orthopädischen Universitätsklinik Stiftung Friedrichsheim den Vorsitz des Hessischen Sportärzteverbandes. Prof. Dr. Ludwig Zichner war schon als junger Assistent sportärztlich als Mannschaftsarzt tätig gewesen. Prof. Dr. Zichner hatte sich 1977 an der Universität Frankfurt für das Fach Orthopädie habilitiert. Als Direktor leitete er zunächst von 1987 bis 1992 die orthopädische Klinik an den Städtischen Kliniken in Frankfurt am Main Höchst. Am 1.5.1992 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Orthopädie der mit 275 operativen Betten größten deutschen orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim Frankfurt am Main, wo er seitdem als ärztlicher Direktor der Gesamtklinik tätig ist. Seitdem belegen zahlreiche Publikationen und Symposien eine rege wissenschaftliche Tätigkeit in der Sportorthopädie, die für den 1. Vorsitzenden einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt darstellt, der seit 1984 in verschiedenen Ämtern auch für den Vorstand der Orthopäden-Gesellschaft und die Gesellschaft für Plastische Chirurgie aktiv war.
Die Sportorthopädie stellte an der Orthopädischen Universitätsklinik unter Leitung seiner Oberärzte Priv.-Doz. Dr. Martin Engelhardt und Dr. J. Mortier einen eigenständigen Schwerpunkt dar. Hier wird das gesamte Spektrum der sportmedizinischen Orthopädie und Sporttraumatologie (Verletzungen und Überlastungsschäden von Schulter, Hüfte, Knie, Sprunggelenk, Muskel-, Bänder- und Knorpelschäden) behandelt. Neben arthroskopischen Eingriffen an allen großen und mittleren Gelenken werden auch Knorpelknochentransplantationen und Knorpelzelltransplantationen durchgeführt.

Auch unter seinen Assistenzärzten befanden und befinden sich eine Vielzahl ehemaliger Hochleistungssportler wie der Zehnkämpfer Dr. Siegfried Wenz, der Schwimmer Dr. Alexander Mayer oder die Hockeyspielerin Dr. F. Hentschel.

Mit Priv.-Doz. Dr. med. Engelhardt, dem langjährigen Präsidenten der Deutschen Triathlonunion, stellte die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim darüber hinaus erstmals über mehrere Jahre den Präsidenten der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin. PD Dr. Engelhardt (mittlerweile Chefarzt der orthopädischen Klinik, Städtische Kliniken Bielefeld), der mit dem Trainingswissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Freiwald (Wuppertal) seit vielen Jahren eine bedeutende interdisziplinäre neuroorthopädische und sportwissenschaftliche Arbeitsgruppe leitet, hat darüber hinaus auch ganz entscheidend zur Etablierung innovativer Ansätze in der sportmedizinischen Berichterstattung beigetragen. So war er zunächst als Redakteur (zusammen mit dem Sportmediziner Dr. Ziegler aus Heppenheim) bei der Zeitschrift TW Sport und Medizin, der Nachfolgezeitschrift des ehemaligen Publikationsorgans der Ost-Sportmediziner) und später auch als Chefredakteur der Zeitschrift Sportorthopädie und Sporttraumatologie tätig. Zudem ist er Mitherausgeber des GOTS-Manuals und Organisator der jährlichen GOTS-Kongresse.

Prof. Dr. Zichners Vorstandsteam, dem als zweiter Vorsitzender auch der Gießener Sportmedizin-Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Paul E. Nowacki angehört, setzt sich ausschließlich aus Vertretern der klinischen Sportmedizin zusammen. Es repräsentiert damit auch die primär klinisch tätigen sportmedizinischen Kollegen in freier Praxis

Die Vorstellungen des Vorstands des hessischen Sportärzteverbandes zielen auf eine seriöse Form der Sportmedizin, die ihre Wurzeln in der Klinik hat.

Gerade im Zeitalter von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung ist sich die hessische Sportmedizin ihrer nicht gerade unbedeutenden historischen Rolle bewusst.

Sie ist deshalb auch bemüht ( vgl. beispielsweise Zephir 10 ( 2/2003), 8-10 und 13-15 ), sich kritisch selbst mit umstrittenen Vertretern aus den eigenen Reihen
und deren wissenschaftlichem Fehlverhalten immer wieder auseinanderzusetzen.
( vgl. beispielsweise http://lists.ruhr-uni-bochum.de/pipermail/sportwiss/2001q1/000467.html )
( vgl.beispielsweise. http://s199148919.online.de/?Home )                                                     
( vgl. beispielsweise http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=25673 )
( vgl. beispielsweise http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,119585,00.html
( vgl. beispielsweise http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,207062,00.html
( vgl. beispielsweise http://www.karriere.de/bildung/wer-hausarbeiten-faelscht-muss-mit-strafen-rechnen-6826/2/


Literatur
Hartmann A: Die Sektion Kinder- und Jugendsport der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention DGSP. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 52, S (7-8), S109 (2001)
Hartmann A, Hoffmann G, Nowacki,PE: Der Sportärzteverband Hessen e.V. – Landesverband der DGSP. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 52, S (7-8), S106 (2001)
Nowacki PE, Bauer A, Langsdorf E, Nowacki NS, Wu N: Forschung, Lehre und Praxis am Lehrstuhl für Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 52, S (7-8), S110 (2001)
Nowacki PE, Langsdorf E, Nowacki NS, Wu N: Inaugurierung der Universitätssportmedizin 1920 in Gießen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 52, S (7-8), S105 (2001)

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